#myjob : Zugbegleiter

myjob
// 27 März 2018
Einer Arbeit nachzugehen die einem gefällt - die Garantie jeden Tag aufs Neue mit Freude frisch ans Werk zu gehen.

Jeden Tag wird das luxemburgische Schienennetz von etwa 1.000 Personen- und Güterzügen befahren. Immer mehr Menschen setzen auf das öffentliche Verkehrsmittel Zug, um dem alltäglichen Stress auf dem Weg zur Arbeit zu entgehen. Begleitet werden sie auf ihrer Reise von den Zugbegleitern der CFL. Brandon, 28 Jahre alt, ist einer jener Mitarbeiter, die jeden Tag aufs Neue an Bord der Züge für die Kunden da sind. Wir stellten dem sympathischen Zugbegleiter einige Fragen.

Wie bist du eigentlich zum Beruf des Zugbegleiters gekommen?

Ich habe in meinem Arbeitsleben bereits die unterschiedlichsten Wege beschritten. Nach dem Abschluss meines CATP musste ich erst mal, mitten in der Finanzkrise, einen Job finden, um meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Während dieser Zeit habe ich Blicke in die unterschiedlichsten Berufsfelder werfen können, sei es im Bereich der Buchhaltung als Kontierungshilfe oder als Aushilfskraft in einer luxemburgischen Supermarktkette. Eins war mir wichtig, ich wollte nicht auf der faulen Haut liegen, ich wollte arbeiten. Kurz danach hatte ich mich bei der luxemburgischen Armee verpflichtet. Nach 4 Jahren strebte ich allerdings mehr an, als mir dort geboten werden konnte. Ein Freund der Familie brachte mich schließlich auf den Beruf Zugbegleiter. Meine erste Reaktion war: „Zugbegleiter? Die entwerten doch nur Tickets!“ Ich staunte nicht schlecht, als mir mein Bekannter erklärte, was alles zu den Aufgaben eines Zugbegleiters gehört. Er hatte mein Interesse geweckt und gleich darauf habe ich mich über jobscfl.lu spontan für diesen Job beworben.

Wie sieht dein normaler Tagesablauf aus?

Immer mit dabei : das Multifunktionsgerät, auch liebevoll „Tamagotchi“ genannt.

Immer mit dabei : das Multifunktionsgerät, auch liebevoll „Tamagotchi“ genannt.

Meine Schicht fängt meistens in Luxemburg-Stadt, Bettemburg oder Petingen an. Als erstes prüfe ich gleich, welche Züge ich in meiner Schicht begleiten werde. Dabei werden mir immer wieder unterschiedliche Züge zugewiesen. Ich fahre also durch das ganze Land, teilweise auch nach Frankreich, Deutschland oder Belgien. Mir ist es persönlich auch wichtig, immer über etwaige Störungen und zukünftige Baustellen auf dem neusten Stand zu sein. Nur so kann ich sicherstellen, dass ich auf die Fragen meiner Kunden Antworten bieten kann. Dann schalte ich mein Multifunktionsgerät, ich nenne es liebevoll „Tamagotchi“, ein und gebe meine Zugnummer ein. Mit Hilfe dieses Geräts kann ich die unterschiedlichen Formen digitaler Tickets prüfen und Fahrscheine im Zug verkaufen. Dann kommt noch das, was viele Menschen mit meinem Beruf verbinden: Das Einstellen des Datumstempels meiner Zange, mit der ich die Papierfahrscheine entwerte. Das geschieht jedoch eher selten, da jeder, der Zug fahren will, nur mit einem gültigen Fahrschein in einen Zug einsteigen sollte.

Was verbinden denn viele nicht unbedingt mit dem Beruf des Zugbegleiters?

Auch wenn es manchen komisch erscheinen wird, ist die Kontrolle der Fahrscheine nicht die oberste Priorität des Zugbegleiters. Sicherheit und Kundeninformation gehen bei uns immer vor und machen somit einen Großteil unserer Arbeit aus. Um jederzeit die Sicherheit unserer Kunden zu garantieren, werden besonders wichtige Sicherheitsmerkmale von uns Zugführern nochmal vor Abfahrt ganz genau kontrolliert. Lassen sich die Türen ordnungsgemäß öffnen, schließen und sichern? Sind ausnahmslos alle Trittbretter voll ausgefahren? Ist unser Rollmaterial sauber und bereit für unsere Kunden? Schmutzige Stellen, die sich z.B. bei früheren Fahrten am gleichen Tag gebildet haben, könnten dazu führen, dass ein Kunde ausrutscht. Um dieses Verletzungsrisiko zu minimieren, kontaktieren wir in solchen Fällen gleich die Leitzentrale, die dann so schnell wie möglich einen Putztrupp organisiert. Bei manchen Zügen muss auch noch eine Bremsprobe durchgeführt werden. Dabei überprüfen wir zusammen mit dem Lokführer ob die Bremsen des Rollmaterials voll funktionstüchtig sind. Zusätzlich helfen wir unseren Kunden sowohl beim Ein- als auch beim Ausstieg und achten darauf, dass sie sich nicht verletzen. Kurz vor der Abfahrt des Zugs kontrolliere ich noch einmal, ob das Stellwerk uns die Erlaubnis zum Ab-, beziehungsweise Weiterfahren gegeben hat, teile mit einem Pfiff die knapp bevorstehende Abfahrt lautstark mit und signalisiere dem Lokführer über einen Schlüsselschalter, dass der Zug zur Abfahrt bereit ist.

Aber auch während der Fahrt bist du immer für deine Kunden da?

Für die Zugbegleiter gehen Sicherheit und Kundeninformation immer vor.

Für die Zugbegleiter gehen Sicherheit und Kundeninformation immer vor.

Natürlich, das ist Teil meines Jobs. Während meiner Rundgänge stelle ich sicher, dass es meinen Kunden gut geht. Wichtig ist es, Probleme gleich zu erkennen und schnellstmöglich zu reagieren, beziehungsweise zu helfen. Wenn ich merke, dass es einem meiner Kunden nicht gut geht, gehe ich auf ihn zu, frage ob ich helfen kann. Wenn es mal etwas lauter im Zug zu geht, schlichte ich auch mal einen kleinen Streit. Hierfür kann ich auf Tipps und Tricks zurückgreifen, die mir während meiner Ausbildung mit auf den Weg gegeben wurden.

Die Kundeninformation spielt auch eine wichtige Rolle in deinem Beruf?

Auf jeden Fall. Im Zug bin ich die Person, an die sich die Reisenden wenden, wenn sie Fragen haben – sei es über mögliche Anschlussmöglichkeiten, über Baustellen und den eingesetzten Schienenersatzverkehr, über Fragen zu nationalen oder internationalen Tickets und so weiter. An Bord bin ich ebenfalls für die Durchsagen in den Zügen zuständig. Wenn ein Zug z.B. einen nicht vorgesehenen Stopp einlegen muss, informiere ich meine Kunden darüber so schnell wie möglich und halte sie bis zur Normalisierung der Situation auf dem neusten Stand. Das gleiche gilt für etwaige Sperrungen auf den unterschiedlichen Zuglinien. Auch da wollen die Kunden fristgerecht informiert werden. An Bord der Züge ist das mein Job.

Du bist seit zweieinhalb Jahren Zugbegleiter. Was gefällt dir an deinem Beruf?

Einer Arbeit nachzugehen die einem gefällt - die Garantie jeden Tag aufs Neue mit Freude frisch ans Werk zu gehen.

Einer Arbeit nachzugehen die einem gefällt – die Garantie jeden Tag aufs Neue mit Freude frisch ans Werk zu gehen.

Besonders gefällt mir, dass es nie langweilig wird. Ich fahre durch die schönsten Ecken des Landes und darüber hinaus mit dem Zug, treffe dabei auf eine Vielzahl unterschiedlichster Menschen mit den unterschiedlichsten Anliegen. Meine Arbeit ist vielseitig, ich kann selbstständig arbeiten und Verantwortung tragen. Unter Arbeitskollegen tauschen wir unsere jeweiligen Erfahrungen aus und lernen zugleich voneinander. Es ist ein Job, den ich gerne mache und somit meine Garantie, jeden Tag wieder mit einem Lächeln frisch ans Werk zu gehen.

Eine letzte Frage: Wenn man in so kurzer Zeit so vielen Menschen begegnet ist, dann hat man sicherlich auch schon so einiges erlebt. Hast du eine Lieblings-Anekdote?

Seit einiger Zeit steigt an der gleichen Haltestelle immer wieder die gleiche Frau in den Zug. Immer dabei hat sie ihren über alles geliebten Hund und eine besonders schwere Tasche. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich der Frau mit der Tasche behilflich bin. Seitdem ich ihr einige Male geholfen habe, schenkt die nette Frau mir nicht nur jedes Mal ein Lächeln, sondern ebenfalls ein Stück Schokolade.

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