Sauberkeit, Komfort und ein gutes Gefühl auf Reisen – für Emilie ist das keine Nebensache. Als Qualitätskoordinatorin in der Abteilung „Trains et Matériel“ beschäftigt sie sich bei der CFL mit einem Thema, das für viele Kundinnen und Kunden entscheidend ist, aber oft erst dann auffällt, wenn es fehlt: die Qualität der Sanitäranlagen in den Zügen.
„Die Sauberkeit von Toiletten ist für unsere Fahrgäste ein wesentliches Komfortkriterium“, erklärt Emilie. Das bestätigen auch zahlreiche Kundenumfragen, in denen Sauberkeit – sowohl in Bahnhöfen als auch in Zügen – immer wieder als besonders wichtig genannt wird. Für Emilie war deshalb schnell klar: Hier gibt es echtes Verbesserungspotenzial.

Im Jahr 2025 initiierte das von Emilie koordinierte Team ein Pilotprojekt, das gleich einen neuen Weg einschlug. Statt ausschließlich auf Reinigungsintervalle oder technische Anpassungen zu setzen, entschied man sich für einen innovativen, psychologischen Ansatz. Im April 2025 wurde der erste Triebwagen der 2300-Serie (KISS) mit einem neu gestalteten WC-Interieur ausgestattet: Die Wände wurden mit großformatigen Naturmotiven beklebt – von Bergen über Meereslandschaften bis hin zu ikonischen Ansichten aus Luxemburg.
„Erfahrungen anderer europäischer Bahnunternehmen zeigen, dass Toiletten mit Naturdarstellungen länger sauber bleiben und insgesamt respektvoller genutzt werden“, erläutert Emilie. Genau hier kommt ein Konzept aus der Verhaltensforschung ins Spiel: Nudging.
Hinter dem Begriff „Nudging“ verbirgt sich die Idee, menschliches Verhalten sanft und unbewusst positiv zu beeinflussen – ohne Verbote, Belehrungen oder Zwänge. „Schöne, natürliche Umgebungen werden automatisch mit mehr Respekt behandelt“, erklärt Emilie. „Unsere Annahme ist daher, dass die neue Ästhetik nicht nur den Komfort erhöht, sondern auch ganz konkret zu saubereren Toiletten führt.“
Ein Ansatz, der aufgegangen ist: Mittlerweile sind alle 21 Triebwagen der 2300 Serie (KISS) mit den neuen Innenverkleidungen ausgestattet. Neben internationalen Naturansichten finden sich heute auch bekannte luxemburgische Motive – etwa der Platz rund um die Gëlle Fra oder die Kapelle in Wormeldingen mit Blick auf die Weinberge.



Für Emilie ist das Projekt ein gutes Beispiel dafür, wie durchdachte Gestaltung, Psychologie und Kundenbedürfnisse zusammenwirken können. „Manchmal sind es gerade die kleinen Dinge, die den Unterschied in der Wahrnehmung einer Reise ausmachen“, sagt sie. Ein stilles Örtchen mit Aussicht – das sorgt nicht nur für ein Schmunzeln, sondern auch für mehr Wohlbefinden unterwegs.