Züge auf der grossen Leinwand

Historisch, Drama, Action oder Science-Fiction … seit den Anfängen des Kinos faszinieren Züge und die Eisenbahnwelt Filmschaffende. Mal bloße Kulisse, mal echte Hauptfigur durchquert der Zug Genres und Epochen und nimmt das Publikum mit auf ebenso vielfältige wie intensive Erzählreisen. Ein – zwangsläufig unvollständiger – Überblick über Kurz- und Langfilme, in denen die Schiene eine zentrale Rolle spielt … mitunter auch sehr frei interpretiert.

  • Die Ankunft eines Zuges im Bahnhof von La Ciotat (L’arrivée d’un train en gare de La Ciotat – 1896)

Während das Kino noch in den Kinderschuhen steckt, drehen die Brüder Lumière diesen 50‑sekündigen Stummfilm im Bahnhof von La Ciotat, wo ihre Familie ein Feriendomizil besaß. Der Legende nach soll die Vorführung einige Zuschauer erschreckt haben, da sie glaubten, der Zug würde aus der Leinwand herausfahren. Eine Anekdote, die zum Gründungsmythos der Filmgeschichte wurde … und des Zuges auf der Leinwand.

  • The General (1926)

Orson Welles bezeichnete ihn als – vielleicht – den besten Film, der je über den amerikanischen Bürgerkrieg gedreht wurde. Dieses Meisterwerk der Stummfilmkomödie von Buster Keaton erzählt die Geschichte von Johnnie Gray und seinen zwei großen Lieben: Annabelle … und seine Lokomotive The General. Eine burleske und spektakuläre Ode an die Eisenbahnleidenschaft.

  • The train (1964)

Der Zweite Weltkrieg bildet den Hintergrund dieses Films von John Frankenheimer mit Burt Lancaster, Paul Scofield und Jeanne Moreau. Im Zentrum der Handlung steht der geplante Diebstahl berühmter Gemälde durch einen deutschen Oberst – ein Vorhaben, das der Widerstand zu verhindern versucht. Ein packender Thriller, in dem der Zug zum zentralen Element der Geschichte wird.

  • Mord im Orient-Express (1974)

In dieser Verfilmung von Sidney Lumet wird die Handlung eines der bekanntesten Romane von Agatha Christie aufgegriffen. An Bord des Zuges von Istanbul nach London muss der belgische Detektiv Hercule Poirot einen mysteriösen Mord aufklären. Mit dem nahezu ausschließlichen Schauplatz im Inneren des Zuges entfaltet der Film eine elegante, beklemmende Atmosphäre voller Täuschungen.

  • Unstoppable (2010)

Das Motiv des „außer Kontrolle geratenen Zuges“ hat mehrere Filme inspiriert, darunter Runaway Train oder Unstoppable von Tony Scott. In letzterem versuchen Denzel Washington und Chris Pine, einen führerlosen Hochgeschwindigkeitszug zu stoppen, der gefährliche Chemikalien transportiert. Inspiriert von einer wahren Begebenheit hält der Film die Spannung permanent aufrecht – das Unglück kann jederzeit eintreten.

  • Mission : impossible (1996)

Manche Drehbücher nehmen es mit der eisenbahntechnischen Realität nicht ganz so genau. So auch im ersten Teil der Mission: Impossible-Reihe mit Tom Cruise. Zwei ikonische Szenen spielen an Bord eines TGV. In der ersten sitzt man in einem luxuriös gedeckten Abteil mit Tisch, Früchten und Getränken – eine Ausstattung, die so nicht der Realität entspricht. In einer weiteren Szene fährt der TGV durch den Kanaltunnel, der eigentlich vom Eurostar genutzt wird, begegnet dort sogar einem entgegenkommenden Zug im selben Tunnelrohr – ganz ohne sichtbare Oberleitungen oder technische Einschränkungen. Da Dreharbeiten unter realen Bedingungen nicht möglich waren, griff das Filmteam auf Studios und Spezialeffekte zurück.

  • Snowpiercer (2013)

In einem apokalyptischen Szenario entwirft Bong Joon-ho die Vision eines Zuges als Zufluchtsort für die letzten Überlebenden der Menschheit nach dem Beginn einer neuen Eiszeit. Der Snowpiercer umkreist unaufhörlich die Erde, mit einer strikten sozialen Hierarchie unter den Passagieren. Eine unendliche Reise – ebenso politisch wie spektakulär, geprägt von Spannungen … und Rebellion.

  • Train to Busan (2016)

Als sich eine Passagierin an Bord eines Zuges in einen Zombie verwandelt, breitet sich die Infektion rasend schnell aus. Der südkoreanische Hochgeschwindigkeitszug KTX von Seoul nach Busan wird zum Schauplatz eines Überlebenskampfes auf engem Raum und erzeugt eine zutiefst klaustrophobische Atmosphäre. Der Film zählt heute regelmäßig zu den Referenzwerken des Genres.

  • Un noir parmi nous/Schwaarze Mann (2018)

Dieser Dokumentarfilm von François Hausemer zeichnet das Schicksal von Jacques Leurs (1910–1968) nach – und zugleich ein Stück politischer und sozialer Geschichte des Großherzogtums. Als Sohn eines luxemburgischen Vaters und einer kongolesischen Mutter im Kongo geboren, wird Jacques Leurs früh zu seinen Großeltern nach Luxemburg geschickt. Als erster schwarzer Staatsbürger des Landes anerkannt, arbeitet er als Eisenbahner und Gewerkschafter und hinterlässt bis heute einen prägenden Eindruck im kollektiven Gedächtnis.

  • Harry Potter (2001-2011)

Unmöglich, diese Auswahl ohne ein Augenzwinkern in Richtung der Züge aus der fantastischen Welt abzuschließen – etwa Der Polarexpress. Und natürlich der legendäre Hogwarts-Express, ein Muss für alle Fans der Harry Potter-Saga. Jedes Jahr zu Schulbeginn steigen die jungen Zauberinnen und Zauberer am Gleis 9¾ im Bahnhof King’s Cross ein, um ihre Schule zu erreichen – ein Zug als Symbol für den Übergang in eine andere Welt.

https://www.youtube.com/watch?v=a8c0Zzf5ZDg

Sicher ist: Sowohl im Kino als auch im wirklichen Leben ist der Zug nach wie vor ein großartiger Träger von Geschichten, Emotionen und Begegnungen. Und Sie, was ist Ihr Lieblingsfilm zu diesem Thema?

(Copyright photo principale: Adobestock)

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