Wenn Sicherheit am Seil hängt

Wie die CFL entlang der Nordstrecke Felswände sichert und damit unsichtbare Gefahren vom Gleis fernhält

Wer derzeit auf der Nordstrecke unterwegs ist, muss für einen Teil der Reise vom Zug auf den Bus umsteigen. Hinter dieser vorübergehenden Umstellung verbirgt sich eine anspruchsvolle Baustelle: In Goebelsmühle werden die markanten Felswände entlang der Gleise gesichert. Es ist eine Arbeit in großer Höhe, zwischen Fels, Seilen und Stahl, die dazu beiträgt, dass Züge künftig sicherer durch das enge Tal rollen können.

Sicherheit hat bei der CFL viele Gesichter. Oft arbeiten sie abseits des Blickfelds und sorgen dafür, dass Reisende ebenso wie das CFL-Mitarbeiter sicher ans Ziel gelangen. Eines dieser Gesichter ist jenes von Tim. seit mehreren Jahren kümmert er sich darum, dass Natur und Schiene entlang der Nordstrecke im Gleichgewicht bleiben.

300 Meter Felswand, 14 Meter Höhe und kein fester Boden

Während auf diesem Abschnitt keine Züge verkehren, herrscht nahe Goebelsmühle reger Betrieb. Auf knapp 300 Metern Länge werden die Steilwände gesichert. Kurz hinter dem Bahnhof verläuft die Strecke nämlich wie durch einen schmalen Korridor: Links und rechts ragen bis zu 14 Meter hohe Felskanten empor.

„Die Felswände bilden gemeinsam mit der heimischen Flora und Fauna ein lebendiges Biotop. Doch der Fels ist nicht unbeweglich. Vor allem starke Witterungseinflüsse können dazu führen, dass sich einzelne Blöcke lösen und im schlimmsten Fall auf die Gleise stürzen.

Stahlnetze halten potenziell loses Gestein an der Felswand zurück.

Damit aus einer kleinen Veränderung kein Sicherheitsrisiko entsteht, werden die Felsen regelmäßig kontrolliert, bis zu fünfmal pro Kalenderjahr. Tim nimmt dabei jede auffällige Stelle genau in den Blick. Entdeckt er Risse, Verschiebungen oder Gesteinspartien, die sich gelöst haben könnten, folgen vertiefte Prüfungen. Erst dann wird entschieden, welche Sicherungsmaßnahme erforderlich ist.

„Gefährdete Bereiche werden mit Stahlnetzen gesichert. Die Netze liegen möglichst eng am Fels an. So können sie loses Gestein an Ort und Stelle halten oder auffangen, bevor es die Gleise erreicht. Für dieses Vorhaben arbeitet die CFL mit einem spezialisierten externen Dienstleister zusammen.“

Präzisionsarbeit am Seil

Die Dimensionen der Baustelle

  • Rund 200 Bohrungen werden auf knapp 300 Metern Felswand ausgeführt.
  • In jede Bohrung wird ein Felsanker eingesetzt.
  • Die Anker reichen bis zu drei Meter tief in die schieferhaltigen Gesteinsschichten.
  • Große Ankerplatten und Muttern pressen das Stahlnetz fest an die Felswand.
  • Mit Kletterseilen gesichert arbeiten die Fachkräfte des Dienstleisters bis zu 14 Meter über dem Boden.

Zunächst werden die Bohrungen ausgeführt und die Felsanker gesetzt. Sobald diese Vorbereitungen abgeschlossen sind, beginnt die eigentliche Montage der Netze. Knapp 40 Rollen Stahlnetz mit einem durchschnittlichen Gewicht von 150 Kilogramm werden per Helikopter an die vorgesehenen Stellen geflogen. Was spektakulär aussieht, erfüllt vor allem einen praktischen Zweck: Das Material gelangt schnell und gezielt an die schwer zugängliche Felswand. Dadurch lässt sich die Dauer der Bauarbeiten auf das notwendige Minimum begrenzen, wie Tim uns verrät.

Sicherheit, die im Hintergrund entsteht

„Der Helikoptereinsatz zieht natürlich die Blicke auf sich. Mindestens ebenso beeindruckend ist aber die tägliche Arbeit der Kolleginnen und Kollegen an der Felswand. Sie hängen in den Seilen, setzen Bohrung für Bohrung und schaffen die Grundlage dafür, dass unsere Züge sicher unterwegs sein können. Sie arbeiten ohne Boden unter den Füßen und mit doppeltem Netz“, sagt Tim mit einem Lächeln.

Wenn die Züge wieder durch Goebelsmühle fahren, werden die meisten Reisenden von dieser Arbeit kaum noch etwas sehen. Und genau darin liegt ihr Erfolg: Die Felswände bleiben Teil der eindrucksvollen Landschaft der Nordstrecke, während Stahlanker und Netze unauffällig darüber wachen, dass der Weg auf den Schienen frei und sicher bleibt.

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